Graue Haare? Du bist doch noch viel zu jung.


Ich erinnere mich an einen Friseurbesuch, da war ich gerade mal Anfang 20, als mir die Friseurin sagte:

Oh, Sie haben da ein langes graues Haar, ich ziehe es heraus, wenn es Ihnen nichts ausmacht.

Ich hatte bis dato keine grauen Haare auf dem Schirm und gab dem auch keinerlei weitere Bedeutung. Irgendwann war mir die Färberei, wenn der Ansatz nachgewachsen ist (abgesehen von den Kosten alle sechs Wochen) einfach zu lästig.


Ich entschied mich also für den natürlichen Weg und ließ meine Haarfarbe komplett rauswachsen und rausschneiden.



Nach langer Zeit des Wartens


Hatte ich endlich wieder komplett meine Naturhaarfarbe, aber ich war nicht ganz happy. Nicht, weil mir meine Naturhaarfarbe nicht gefiel, die war ganz okay, nein, ich entdeckte, dass ich wohl in der Zwischenzeit doch ein paar graue Haare mehr bekommen hatte.

Ja, man muss schon noch etwas genauer hingucken, aber hier und da blitzen die grauen Haare aus meinem sonst brünettfarbenen Schopf nur so heraus. Kurz gesagt: Ich fand es schrecklich!

Nun hatte ich so lange auf meine Naturhaarfarbe gewartet und nun das! Ich bin noch nicht mal nahe der 30. Die Folge dessen: Ich fing wieder an mit Tönen. Und ich tönte und tönte immer weiter und weiter.



Graues Haar entdeckt? Die Eliminierung wird gestartet


Eine ganze Weile lang habe ich sobald ich eines am Ansatz oder irgendwo dazwischen entdeckte, sofort mit der Pinzette rausgezupft ganz nach dem Motto: Ich will KEINE GRAUEN HAARE. Doch irgendwann war das Rausreißen keine Option mehr, denn am Hinterkopf kamen sie jetzt auch und ich hatte schließlich keine Augen da hinten. Ich wollte einfach keine grauen Haare. Können die sich nicht noch ein bisschen Zeit lassen?!?



Misch Masch auf dem Kopf - nein danke!


Also um das vorweg zu nehmen, eigentlich finde ich graue Haare gar nicht so übel.

Ich finde ältere Damen mit grau, weißem Haar wirklich schön. Sie können oft kräftige Farbe tragen und irgendwie sieht das Ganze doch toll aus.

Was mich wirklich daran stört, ist der Übergang. Eine Mischung aus grau und braun und rot.

Ja, das stört mich sehr! Mittlerweile habe ich wieder die Schnauze voll von der Färberei, sodass ich es immer mal wieder einige Monate aushalte nicht zu färben.


Aber dann kommt da doch wieder diese Stimme und sagt: Nein, ich möchte keinen Misch Masch auf meinem Kopf. Entweder richtig braun oder richtig grau, dazwischen gibt es nichts. Basta! Bei mir sind die (frühen) grauen Haare übrigens geerbt.



Was ist das Thema von "grauen Haaren"

Mich stört der Übergang, aber ich glaube die meisten stört eher das, was für graue Haare steht, nämlich das Altern. Warum haben viele so ein Problem mit graue Haare!? Meine Mutter berichtet immer mal wieder, dass sie oft von Damen (oder Frauen, die offensichtlich ihre grauen Haare überfärben) angesprochen wird, sie hätte so schönes graues Haar. Auf Anraten, die Dame soll doch einfach ihr graues Haar herauswachsen lassen, bekommt sie oft als Antwort:

Ach, bei Ihnen sieht das ja toll aus, aber bei mir nicht!

Wer entscheidet das denn eigentlich, ob es gut aussieht oder nicht und warum verdammt muss es eigentlich auch noch gut aussehen? Es sind doch nur Haare.

Geben wir dem vielleicht einfach nur viel zu viel Bedeutung? Sagen graue Haare: Du wirst jetzt alt, kriegst Falten, bist nicht mehr knackig, weg vom attraktiven Markt, bist hässlich, im schlimmsten Fall sogar: Du bist nun weniger wert?! Wenn ja, wer oder was drängt uns dies zu denken?



Und wie ist das beim anderen Geschlecht


Ok, stopp, ich muss kurz dazwischen - bei Männern ist das ja was ganz anderes. Da sind graue Haare nicht so verachtet und trägt sogar zu manch Attraktivität bei. Ein Thema, welches bei Männern wohl ähnlich wie bei Frauen mit grauen Haare entsteht, ist eher, wenn Männer lichter werden, eine Platte am Hinterkopf bekommen oder Geheimratsecken immer größer werden. Also auch die Männerwelt tut sich mit dem Thema Haare manchmal nicht leicht, aber zurück zu uns Frauen (obwohl wir hier auch keine Männer ausschließen wollen ;-).



Die gesellschaftliche Bedeutung von grauen Haaren


Was bedeuten denn heutzutage also graue Haare: Das wir alt werden? Dass wir unsere schöne Haarfarbe verlieren und nicht mehr so attraktiv sind? Das wir nicht mehr zu den jungen Schönen gehören? Das wir jetzt unseren Wert verlieren? Was genau lehnen wir denn da ab, wenn wir zum einen lieber wochenlang mit einem Ansatz rumrennen und zum anderen uns alle 4 - 6 Wochen den Stress mit der Färberei antun? Und weiter: Tue ich das allein wegen mir?


Es sind doch schließlich nur Haare mit ein bisschen Farbe. Sie sagen doch gar nichts über uns aus. Würdet ihr eine Frau oder einen Mann weniger lieben oder sogar verlassen, weil er vielleicht seine Haare verliert... (mal ganz krass gefragt)?



Perfektionismus an erster Stelle


Ist es die Tatsache, dass man heute überall perfekt sein will/muss und Haare ebenso dazu gehören?

Ich habe schon öfters von dem ein oder anderen Mann bezüglich der Haare von Frauen gehört: Eine Frau braucht lange schöne Haare!

Das Ergebnis: Jede Frau rennt dann mit (mehr oder weniger fransigen, dünnen, kaputten, usw.) langen Haaren rum, obwohl ihnen vielleicht ein Kurzhaarschnitt bombastisch stehen würde.

Bitte liebe Frauen, lasst euch nicht zu langen, manchmal auch einfach nur langweilig aussehenden, Haaren überreden, wenn ihr auch einen anderen tollen Haarschnitt tragen könnt, der bestenfalls noch besser zu eurer Haarstruktur oder eurer Kopfform passt.


Stehen nur lange, kräftigfarbene Haare für Weiblichkeit?! Nun, das geht jetzt in eine andere Themenrichtung, nämlich über die Weiblichkeit einer Frau und wie diese sich ausdrückt oder ausdrücken muss/soll/will.


Habt ihr schon graue Haare und seit vielleicht noch keine 20, 25, 30 oder 40? Wie geht ihr damit um? Farbe oder Natur?


Ich kann mich leider immer noch nicht entscheiden. Vielleicht warte ich, bis ich überwiegend graue Haare habe und beginne dann wieder der Natur ihren freien Lauf zu lassen...

Who knows?!